Was ist hier los? - Etwas merkwürdiges geht vor sich...

Eine entscheidende Rolle im Weltfinanzmarkt spielt der Repo-Markt und hier geht seit einiger Zeit etwas sehr merkwürdiges vor.



Repo (Repurchase Operation, Rückkaufvereinbarung) ist der Name für Verträge zum Verkauf und Rückkauf von Wertpapieren auf Kredit.

Über den Repo-Markt leihen sich Banken (und inzwischen auch Hedgefonds) untereinander Geld, um die Liquidität zu sichern.


Dabei übertragen sie Wertpapiere als Sicherheiten an den Kreditgeber. Bei diesen Sicherheiten handelt es sich in erster Linie um Staatsanleihen sowie Pfandbriefe oder andere besicherte Schuldverschreibungen.


Der Kreditnehmer verpflichtet sich bei Abschluss des Geschäfts, die als Sicherheit hinterlegten Wertpapiere am Ende der vereinbarten Laufzeit zurückzukaufen und die für den Kredit vereinbarten Zinsen zu zahlen.

Kurz gesagt hier werden Wertpapiere, die als Sicherheit dienen, gegen kurzfristige Liquidität getauscht.


Zum einen haben wir das Instrument Repo mit der Vereinbarung die Sicherheit wieder zurückzukaufen.

Zum anderen haben wir den Reverse-Repo mit der Vereinbarung die Sicherheit wieder zu verkaufen.



Die US-amerikanische Zentralbank FED griff in der Vergangenheit zahlreich ein, um die Liquidität, auf die die Banken angewiesen sind, aufrecht zu erhalten.

Im September 2019 und rund um den Jahreswechsel 2019/2020 drohte die Liquidität auf dem Repo-Markt auszutrocknen. Die kurzfristigen Zinsen schossen plötzlich in die Höhe und die US-Notenbank verlor beinahe die Kontrolle über den Markt, weil sich die Akteure auf dem Repo-Markt nur noch zu hohen Zinssätzen gegenseitig Geld leihen wollten. Die US-Notenbank Fed reagierte mit Repo-Geschäften im drei- bis vierstelligen Milliarden-Dollar-Bereich und pumpte so viel Geld in den Markt wie nie zuvor.


Inzwischen ist der Geldmarkt mit Liquidität überschwemmt, was jedoch nicht bedeutet, dass die FED ihr Vorhaben stoppt. Denn grundsätzlich ist das Stoppen der Geldflut bei abhängigen Märkten kaum mehr möglich. Die FED hat für eine explodierende Nachfrage beim Reverse-Repo gesorgt.

In der Grafik sieht man das Volumen der Reverse-Repo-Geschäfte der FED in Milliarden US-Dollar.


Überschüssige Liquidität, die sie gerade nicht benötigen, können die Marktteilnehmer bei der Notenbank Fed parken. Offenbar schwimmen die Banken und Geldmarktfonds in den USA derzeit in mehr Liquidität, als ihnen Recht ist. Es liegt momentan auf einem neuen Rekordhoch von täglich über 485 Milliarden US-Dollar seit Einführung der Geschäfte im Jahr 2013.

Der letzte Ausbruch war nach dem Crash am Aktienmarkt im Frühjahr März 2020, der jedoch weit unter dem jetzigen Ausbruch im Mai 2021 liegt.



Banken und andere Akteure auf dem Repo-Markt parken derzeit so viel Geld wie noch nie bei der Fed. Die plötzlich explodierende Nachfrage nach den Reverse-Repo-Geschäften ist auch deshalb merkwürdig, weil die Fed auf die bei ihr im Rahmen der Repo-Fazilität geparkten Gelder derzeit keine Zinsen zahlt. Banken und Geldmarktfonds scheinen also schlicht keine Möglichkeit zu sehen, ihre Gelder kurzfristig zu mehr als Nullzinsen anzulegen. Denn obwohl die Zinsen im langfristigen Bereich angesichts von Inflationssorgen seit Jahresbeginn stark gestiegen sind, sind sie bei den Repo-Geschäften mit einem Tag Dauer zuletzt deutlich gesunken und drohen sogar, in den negativen Bereich zu rutschen.


Wo es noch im Jahr 2019 Ängste um die Liquidität gab, ist momentan genau das gegenteilige Problem entstanden.

Es gibt schlicht zu viel Liquidität im System und die Banken wissen nicht, was sie mit dem vielen Geld anfangen sollen. Verantwortlich für die hohe Liquidität sind vor allem die Maßnahmen der US-Notenbank zur Bekämpfung der Pandemie. Dadurch hat sie auf dem Repo-Markt eine Liquiditätsflut ausgelöst, die sich jetzt voll bemerkbar macht.


Noch immer pumpt die Fed über den Kauf von Staatsanleihen und Hypothekenpapieren 120 Milliarden Dollar pro Monat in den Markt. Aber die Banken können mit dem vielen Geld offensichtlich nichts mehr anfangen.


Die Fed verursacht durch ihre Aufkäufe zudem Probleme: Im gleichen Maß, wie Geld durch die Aufkäufe in den Markt gepumpt wird, entzieht die Fed dem Markt Staatsanleihen und Hypothekenpapiere, die von den Banken als Sicherheiten gebraucht werden, wenn sie sich zum Beispiel Geld auf dem Repo-Markt leihen. Durch die Reverse-Repo-Geschäfte gibt die Fed dem Markt zwar diese Sicherheiten wieder zurück, aber immer nur temporär.

Fährt die Fed ihre Anleihenkäufe in den kommenden Monaten nicht zurück, sorgt sie für ein immer größeres Ungleichgewicht zwischen (zu viel) Cash und (zu wenig) Sicherheiten auf dem Repo-Markt, was die Banken vor größere Probleme stellen könnte.



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