Russland schießt Gaspreise in die Höhe

Russland hat die Gaslieferungen nach Europa über die Jamal-Europa-Pipeline, die durch Weißrussland verläuft, um etwa 50 Prozent reduziert. Die Erdgaspreise in Nordeuropa explodieren.



Seit Monaten klagt Europas Energiewirtschaft über einen Rückgang der russischen Gaslieferungen. Die Folge sind halbleere Speicher und steigende Preise.


Laut den Daten der in Leipzig ansässigen Energiebörse EEX (European Energy Exchange) ist der Preis für eine Megawattstunde (MWh) Erdgas von 28 Euro Mitte Juni auf zuletzt 41 Euro in die Höhe geschnellt - ein Plus von rund 45 Prozent innerhalb von sechs Wochen.


Was sind die Gründe hierfür?

Die Gaskonzerne machen vor allem den russischen Gazprom-Konzern dafür verantwortlich, weil der seine Lieferungen nach Europa gedrosselt und somit für eine Verknappung des Angebots gesorgt habe.

Ursprünglich hatte Gazprom geplant, schon Ende 2020 Gas über die neue Ostsee-Pipeline zu liefern. Wegen der Bauverzögerungen aufgrund von vielen Einmischungen in Form von Sanktionen der USA liefert Gazprom nun weiter Gas über das Transitland Ukraine, jedoch weniger als in den Jahren zuvor.

Nach Auskunft des ukrainischen Pipelinebetreibers hat Gazprom für den August keine höheren Durchlasskapazitäten bestellt. Dies habe den Preisanstieg weiter beschleunigt. Offenbar befürchte Gazprom, dass es bei der Pipeline Nord Stream 2 doch noch Probleme geben könnte - trotz der jüngsten Einigung mit den USA.


Gleichzeitig sei die Nachfrage gestiegen, insbesondere in China und anderen Teilen Asiens. Darüber hinaus hätten Ausfälle und Wartungsarbeiten an der Infrastruktur die Situation verschärft. Auch sei die Erdgasproduktion in Westeuropa, allen voran in den Niederlanden, gesunken.

Hinzu kommen die neu eingeführten CO2 Zertifikate, die dieses Jahr verpflichtend geworden sind.



Es spielen wohl alle Faktoren mit hinein - es bleibt demnach die Tatsache, dass die Energiespeicher ungewöhnlich leer sind.

Die Vermutung steigt mehr und mehr, dass Russland endlich die Pipeline Nord Stream 2 durchboxen möchte.

Dieses Vorgehen hat dazu geführt, dass die beiden wichtigsten europäischen Gazprom-Speicher - im deutschen Rehden, der größte in der EU, und im österreichischen Haidach - Anfang des Sommers nahezu komplett leer waren und mit ihrem Auffüllen gerade erst begonnen wurde.

Die Verträge werden von Gazprom eingehalten.

Nun ist in dem Vertrag allerdings festgeschrieben, dass im ersten Jahr, 2020, die Transitmengen 65 Milliarden Kubikmeter betragen sollen, sie aber danach, 2021 bis 2024, auf jährlich 40 Milliarden Kubikmeter zurückgehen, da bei Vertragsabschluss Gazprom von einer baldigen Fertigstellung der Nord Stream 2 ausging, was von den US-Sanktionen vereitelt wurde.

Europa bekommt auf dem Weg über die Ukraine deutlich weniger Gas, als eigentlich nötig wäre, Gazprom bleibt dabei vertragstreu, aber liefert auch nicht mehr - begründet durch längere Wartungen gleich zweier Pipelines in Richtung EU.



Somit wächst die Gefahr, dass Europa ohne ausreichende Gasreserven in den nächsten Winter geht.