Lkw-Fahrer: Das droht Deutschland

Wenn ein Devisenhändler morgen nicht mehr handelt, bemerkt es kaum einer - wenn jedoch ein LKW Fahrer keine mehr Ware liefert, dann wird das Geschrei groß.



In Großbritannien fehlen Lastwagenfahrer. Das führt zunehmend zu Problemen. In britischen Supermärkten sind große Lücken in den Regalen seit Wochen nicht zu übersehen. Ganze Produktionszweige stehen still, weil Ausgangsmaterialien nicht geliefert werden können.


Die Mangelwirtschaft in Großbritannien wird den Experten in unseren Medien zufolge dem Brexit in die Schuhe geschoben.

Etwa 20 000 europäische Fahrer seien seitdem nicht mehr in Großbritannien tätig, weil sie seit dem EU-Austritt das Land verlassen hätten. Für neue Bewerber gibt es große Hürden, da teure und komplizierte Visa-Verfahren notwendig sind. Außerdem gehen laut Speditionsverband Road Haulage Association jeden Monat Tausende ältere Fahrer in Rente. Durch die Pandemie-Maßnahmen seien zudem Zehntausende Fahrprüfungen ausgefallen, die für Nachwuchs hätten sorgen können. Insgesamt fehlten im Augenblick rund 100 000 Fahrer.


Aber wenn es am Brexit liegt - wie sieht es dann bei uns in Deutschland aus - wo keiner auch nur annähernd daran denkt aus der EU auszusteigen?


Jens Pawlowski, der Leiter der Berliner Vertretung des Bundesverbands Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung, in dem über 7.000 Firmen aus dem Sektor Mitglied sind, berichtet von Versorgungsengpässen. Im Folgenden hört ihr die Aussagen von Jens Pawlowski:

Er wünschte sich von der Politik, die Attraktivität des Berufsbilds zu stärken und einen fairen Wettbewerb im Straßengüterverkehr zu organisieren. Der Job sei unattraktiv, weil er wenig Anerkennung erfahre. Auch die Gesellschaft sei gefordert, "Wertschätzung denjenigen gegenüber zu bringen, die jeden Tag für unsere Versorgungssicherheit sorgen".

In der jetzigen Krise habe sich gezeigt, wie verletzlich das System sei, als "wir plötzlich vor zum Teil leeren Supermarktregalen gestanden haben". Damals sei mit dem Verkehrsministerium und anderen Verbänden in einem Kraftakt die Versorgung gesichert worden. Aber selbst das Fahrerangebot aus Osteuropa gehe zurück: "Es zeigt sich jetzt schon, dass sehr viele mittel- und osteuropäische Transportunternehmen, die hier in Deutschland stark aktiv sind, auch dort in Osteuropa keine Fahrer mehr finden, weil sich niemand mehr diesen Job antun möchte." Deshalb würden inzwischen Fahrer aus Staaten außerhalb der EU, wie aus Russland, der Ukraine und Weißrussland, eingestellt. "Wir müssen dringend aufpassen, dass hier diese Spirale nicht weitergeführt, sondern endlich gestoppt wird."


"Ein Lkw-Fahrer muss, auch wenn er sehr hohe Berufserfahrung hat, regelmäßig alle fünf Jahre immer wieder dieselben Weiterbildungsmaßnahmen durchführen. Auch wenn er fünfzehn, zwanzig Jahre im Einsatz ist." Das würde ältere Fahrer dazu bringen, den Beruf aufzugeben.

"Uns fehlen aktuell in Deutschland 60.000 bis 80.000 Berufskraftfahrer", sagte Pawlowski. Jedes Jahr würden 30.000 in Rente gehen, aber nur 15.000 ausgebildet, sodass der Mangel sich immer weiter verschärfe. Die Lösung dafür sieht er in Zuwanderung. "Dass man potenzielle Fahrer aus Drittstaaten hier nach Europa, nach Deutschland holt, hier auch integriert, ihnen hier eine verlässliche Perspektive mit ihren Familien bietet."

Selbst Firmen, die gute Löhne zahlen oder selbst ausbilden haben inzwischen Probleme ihre Stellen zu besetzen. "Zum einen ist das Gehalt nach wie vor sehr niedrig und wird durch die Kollegen aus Osteuropa, die noch weniger erhalten, weiter gedrückt, und die Ausbildung ist extrem verteuert." Fahrer, die keine Lehre als Berufskraftfahrer absolvieren, müssen ihre Ausbildung selbst zahlen. "Ich habe einen Kollegen, den haben wir übers Arbeitsamt finanzieren können, dessen Ausbildung hat 12.000 Euro gekostet." Früher habe auch die Bundeswehr Llw-Fahrer ausgebildet. Auch das sei weggefallen.


Ein LKW Fahrer berichtet hierzu:

"Wie ich damals angefangen habe, war das so, dass wir einfach mal zwei Wochen nach Spanien und zurück gefahren sind und da auch Zeit hatten. Es war was Interessantes dabei. Man konnte mal ans Meer fahren, man konnte die Welt sehen. Heute ist es so, dass die Kollegen in der Woche eineinhalb Touren nach Spanien machen müssen. Da ist überhaupt keine Zeit mehr da. Aber bei eineinhalb Touren, das ist logisch, kommt man nur alle vierzehn Tage nach Hause. Und viele junge Leute wollen nicht so lange von zu Hause weg sein, schon gar nicht unter den Bedingungen."

Drei Faktoren, sagt er, könnten den Beruf attraktiver machen. Der erste sei die Bezahlung. Der zweite seien die Umstände, unter denen gerade im Fernverkehr gefahren wird. "Gerade bei den Kollegen aus Osteuropa, die in Zwei-Mann-Besetzung fahren, die leben 14 Tage Minimum auf fünf Quadratmetern." Und der dritte sei der Druck, der über die Just-in-Time-Produktion entstehe, die die Lager von den Betrieben auf die Straße verlagert hätte.

Die Regelungen und die Kontrolldichte sollten verschärft werden, um dadurch bessere Arbeitsbedingungen zu erzwingen, und vor allem: "Wenn der Fahrer einen Lkw in Deutschland bewegt, dann muss auch ein deutscher Mindestlohn bezahlt werden. Und auch strenger kontrollieren, dass die Ruhezeiten am Wochenende nicht in den Fahrzeugen verbracht werden, sondern in annehmbaren Unterkünften."


Wir sehen die Folgen von jahrelangem An-die-Wand-fahren der Wirtschaft.

Krankenschwestern kündigen ihre Jobs aufgrund von Zwängen,

Handwerker werden immer weniger,

Bauern werden systematisch enteignet,

es besteht ein Mangel an LKW Fahrern und viele weitere Berufsschichten sind betroffen.



Und wie ich zu Beginn gesagt habe:

Wen interessiert es, wenn ein Anleger plötzlich nicht mehr anlegt? Keinen.

Jedoch sollte jeder selbst wissen, was die wirklich wichtigen Berufsgruppen in einer funktionierenden Wirtschaft sind und gerade diese werden mehr und mehr zerschlagen und in unserer doch sehr geplanten Wirtschaft nicht gefördert.

Am Ende frägt man sich wie üblich "Wie konnte das geschehen?"



Der Beitrag "LKW Fahrer Mangel" - Wirtschaft