Johnson&Johnson meldet Insolvenz an

Das Spiel mit deiner Gesundheit


Einer der größten Pharmakonzerne - Johnson&Johnson - steckt jetzt in einem Insolvenzverfahren. Dahinter steckt ein großer Trick, den kaum jemand weiß.



Nach dem Gesamtumsatz von 2020 zu urteilen ist Johnson&Johnson der größte Pharmakonzern auf der Welt - mit einem Umsatz von 82,6 Milliarden US-Dollar. Die Geschäftszahlen können nach ihren Injektionserfolgen kaum besser lauten.

Der US-Pharmariese meldete für die ersten neun Monate diesen Jahres bereits 8 Milliarden Dollar mehr Umsatz als im Vorjahr um mit rund 16 Milliarden Dollar einen um rund 30 Prozent höheren Gewinn. Insgesamt sind sie am Markt fast eine halbe Billion US-Dollar wert.


Und nun stehen sie in den derzeitigen Schlagzeilen beim Thema "Insolvenz". Die Juristen des Konzerns meldeten die Pleite letzte Woche im US-Bundesstaat North Carolina an.


Es gibt einen großen Grund, weshalb sie zu einer solchen Maßnahme greifen. Sie haben eine riesen Klagewelle, die sie in den Griff bekommen müssen - darunter die Klagen wegen dem Asbest verseuchten Babypulver.

Das Nachrichtenmagazin Reuters schreibt darüber:

"Eine Reuters-Untersuchung der Dokumente [von Johnson&Johnson] sowie der Zeugenaussagen zeigt, dass der Rohtalk und die fertigen Pulver des Unternehmens von mindestens 1971 bis Anfang der 2000er Jahre manchmal positiv auf kleine Mengen Asbest getestet wurden und dass Führungskräfte des Unternehmens, Manager, Wissenschaftler, Ärzte und Anwälte sich Sorgen über das Problem machten und wie man es angeht, ohne es den Aufsichtsbehörden oder der Öffentlichkeit offenzulegen."



Sie werden nun von Klagen überschüttet, da zahlreiche Frauen, die die Produkte zur täglichen Hygiene nutzten und viele an (beispielsweise) Krebs in den Eierstöcken erkrankt und gestorben sind. Rund 38.000 Klagen im Zusammenhang mit dem Babypulver mit Schadensersatzansprüchen sind eingegangen. 2015 hatte ein Gericht in St. Louis es als erwiesen angesehen, dass das erhöhte Risiko an Krebs von dem Babypulver stammt.


Focus Online schrieb darüber:

"Anwälte konnten nachweisen, dass der Hersteller seit Jahrzehnten wusste, dass der Talk in dem Puder manchmal mit Asbest verunreinigt war – trotzdem verkaufte er das Produkt weiter und zielte mit Werbung sogar speziell auf arme Personengruppen in den USA, die meistens nicht so informiert über die Gesundheitsrisiken von Produkten waren."


Bis Anfang diesen Jahres hatte der Konzern bereits 2,5 Milliarden Dollar auszahlen müssen – die Summe könnte noch deutlich steigen. Ein Angebot, alle Rechtsstreitigkeiten für eine weitere Zahlung von 4 Milliarden Dollar beizulegen, hatte keinen Erfolg. Der Schadensersatz wurde von Jahr zu Jahr immer mehr. Ein Gericht in Missouri hatte beispielsweise 22 klagenden Frauen 2018 insgesamt 4,7 Milliarden Dollar Schadenersatz zugesprochen.


Mit seiner Insolvenz versucht der Konzern nun milliardenschweren Entschädigungszahlungen zu entgehen.

Es ist ein juristischer Trick, der bisher nur in wenigen Bundesstaaten der USA anerkannt – und selbst dort höchst umstritten – ist.


Der Trick ist als als „Texas Two-Step“ bekannt. Im ersten Schritt spaltete der Pharmariese ein neues Unternehmen namens LTL ab, und übertrug dann alle seine asbestbezogenen Verbindlichkeiten – einschließlich der Klagen – in die neue Firma. Ihr einziges Geschäftsfeld: Die Gerichtsstreits gegen das Baby-Puder.



Das ausgegliederte Unternehmen LTL hat somit keine Chance, mit irgendetwas Geld zu verdienen. Also besteht der zweite Schritt darin - nachdem der Geschäftssitz von LTL nach North Carolina, einem der wenigen Bundesstaaten, die den „Texas Two-Step“ anerkennen, geändert wurde - jetzt dort Insolvenz anzumelden.


Zuvor hatte der Mutterkonzern LTL mit zwei Milliarden Dollar aufgeladen, die jetzt für Entschädigungszahlungen bereitstünden – weniger als bisher ausgezahlt wurde und gerade einmal die Hälfte dessen, was Johnson & Johnson den Opfern zuvor angeboten hatte.


Zusammengefasst - im ersten Schritt haben sie den Klagebereich ausgegliedert und im zweiten Schritt haben sie den ausgliederten Bereich insolvent gemeldet. Der ausgegliederte Bereich hat nun einen geringen Geldbetrag überwiesen bekommen, wodurch sie für mehr Klageansprüche nicht ausgestattet sind.


Somit entgehen sie einer höheren Klagesumme und v.a. geht es darum, dass sie mit viel mehr weiteren Klagen rechnen, die eine für das Unternehmen zu hohe Klagesumme mit sich ziehen würde.


Ist das unfair?

Ist das gerecht?

Moralisch gesehen fühlen sich die Kläger, deren Prozesse noch offen sind, und auch zukünftig von den Langzeitfolgen betroffene Personen unfair behandelt, da die Babypulver-Verbindlichkeiten des Pharmariesen dadurch versiegen.

Aber dadurch, dass es gesetzlich möglich ist und wir genau solche Schlupflöcher haben, die es Unternehmen erlauben so zu handeln, ist es laut dem Prinzip eines Rechtsstaates gerecht, da sie sich nur an die geltenden Gesetze halten.



Viele Menschen in unserem System wollen es nicht anders und würden Fälle wie diese und das ein Pharmaunternehmen, dass sich der angeblichen Gesundheit verpflichtet hat, Krankheiten verursacht hat, nicht zum Umdenken nutzen - sondern sagen "Skandale gibt es immer mal wieder, Hautsache ich bekomme mein heiliges Elixier, damit ich wieder frei sein darf."