Insolvenzwelle ab jetzt?

2019 meldete Deutschland offiziell 42% mehr Pleiten bei Großunternehmern als im Vorjahr.

Dabei ist die Schadenshöhe bei Großinsolvenzen um über 80% gestiegen.

Man verzeichnete rund 104.000 Pleitefälle.

Die schwerwiegenden vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Maßnahmen der weltweiten Regierungen seit 2020 trafen die Unternehmen sehr schwer und vermuteten eine gigantische Pleitewelle.



Die Zahl der Insolvenzen in Deutschland betrug jedoch um die 82.000 offizielle Fälle.

Nun mag der ein oder andere meinen, dass das positiv ist und sich zahlreiche Experten verschätzt haben - aber so ist es nicht.


Weshalb traf die Insolvenzwelle nicht ein?

Zum einen wurden zahlreiche Hilfsmaßnahmen und Kredite von den Regierungen ausgegeben. Regierungen und Unternehmen haben sich in Rekordhöhen verschuldet.

Zusätzlich wurde die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht festgesetzt.

Das bedeutet, wer die Insolvenz seines Unternehmens nach Feststellung der Zahlungsunfähigkeit nicht angezeigt hat und deshalb strafrechtlich verfolgt wurde - musste ab diesem Beschluss mit keinen Konsequenzen rechnen.

Obwohl man eigentlich rechtlich gesehen am Ende ist, hoffen viele Unternehmen mit Kurzarbeitergeld, Staatshilfen und Co. irgendwie doch noch weiter durchhalten zu können.

Diese Aussetzung galt bereits seit dem Frühling 2020 und wurde immer wieder bis zum 30.04.2021 verlängert.


Ab dem 1. Mai 2021 gilt wieder die volle Insolvenzantragspflicht für Unternehmen. Es gebe dann keinerlei Ausnahmen mehr, weder für zahlungsunfähige noch überschuldete Unternehmen. Auch die insolvenzreifen Unternehmen, die noch auf das Überbrückungsgeld warten, müssten unter Berücksichtigung der regulären gesetzlichen Fristen einen Antrag beim Amtsgericht stellen. Das Auslaufen des vermeintlichen Schutzes bedeute laut Regierung eine Rückkehr zu regulären Wettbewerbsbedingungen und marktwirtschaftlicher Transparenz.



Leider führt das auch dazu, dass Unternehmer weiterhin denken, dass sie eine Insolvenz nicht melden müssen. Das kann strafrechtliche Folgen nach sich ziehen.


Der Insolvenzanwalt Prof. Dr. Lucas Flöther antwortete auf die Frage, ob direkt mit einer sehr hohen Pleitewelle zu rechnen sei:

„Damit ist nicht zu rechnen. Denn erstens steht immer noch viel Staatsgeld zur Verfügung. Und zweitens werden die meisten Unternehmen auch nach dem 1. Mai fälschlicherweise annehmen, für sie seien die Insolvenzantragspflichten ausgesetzt. Es wird einige Zeit dauern, bis es sich herumgesprochen hat, dass die Antragspflichten nach wie vor gelten“, sagt Flöther im Gespräch.


Marc Tenbieg, Geschäftsführender Vorstand des Deutschen Mittelstandsbunds, teilte mit, die Aussetzung hätte sich bewährt, um gesunde Unternehmen vor der Insolvenz zu bewahren. Aber: „Eigentlich nicht überlebensfähige Betriebe wurden künstlich am Leben erhalten, statt vom Markt bereinigt zu werden.“ Diese „Zombiefirmen“ gefährdeten „ihre Gläubiger, andere Unternehmen und letztlich auch Arbeitsplätze“.


Andreas Lutz vom Verband der Gründer und Selbständigen Deutschland sagte, Soloselbstständige und kleine Unternehmen seien häufig Einzelunternehmer und Gesellschaften bürgerlichen Rechts und „somit persönlich haftend“. Diese müssten „erst einmal ihre Altersvorsorge und andere Ersparnisse aufbrauchen, bevor sie einen Konkurs anmelden“. Insolvenzen seien aber „nur ein kleiner Teil des Gesamtbilds, weil viele Unternehmen ohne Insolvenz schließen werden oder bereits geschlossen haben“.



Wir erkennen also, dass die Folgen der Maßnahmen extrem sind und zukünftig sein können. Ob die Regierung doch noch schnell einspringt und die Aussetzung wieder in Kraft treten lässt, sobald sie das Ausmaß der Welle mitbekommt - oder ob nun die Zeit reif ist, um sich von zahlreichen Unternehmen zu verabschieden?

Das alles werden wir in der kommenden Zeit miterleben.


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