Insolvenzboom Deutschland schafft sich ab

Wie ich euch kürzlich berichtet habe, wurde das Aussetzen der Insolvenzantragspflicht - das im Frühjahr 2020 bis zum 30.04.2021 stets verlängert wurde - nicht weiter verlängert.

Nun kann man logischerweise davon ausgehen, dass ab diesem Zeitpunkt vermehrt Insolvenzanträge eintrudeln werden.

Aber wie sieht es bisher wirklich aus?



Betrachten wir uns zunächst die Daten der Vorjahre, um die Zahlen in Relation setzen zu können:

Daten vom Statistischen Bundesamt:

Unternehmensinsolvenzen von Destatis:

2019: 18.636

2020: 15.841


Gesamtinsolvenzen von Destatis:

2019: 104.069

2020: 82.100


Zahlreiche große und bekannte Unternehmen wie Vapiano, Esprit, Galeria Karstadt, der größten Friseurkette Klier oder Mister Minit waren hierbei betroffen.


Wie sieht es im aktuellen Jahr aus?

Im Jahr 2021 wurden knapp unter 20.000 Insolvenzen vom 01.01.2021 bis 29.04.2021 verzeichnet.

Seit dem Wiedereinsetzen der Insolvenzantragspflicht waren es vom 01.05.2021 bis zum 08.05.2021 über 20.000 Insolvenzen - kaum vorstellbar, was innerhalb 8 Tagen an Insolvenzen eingetroffen ist.



Das bedeutet in sehr kurzer Zeit - genauer innerhalb 8 Tagen - wurde die Anzahl an Insolvenzen verdoppelt.

Jedoch warnten vor dem Wiedereinsetzen zahlreiche Anwälte, dass viele Unternehmen vergessen werden eine Insolvenz zu melden, da sie weiterhin darauf vertrauen, dass die Aussetzung verlängert wird.

Daher ist die Frage, wie viele weitere Insolvenzanzeigen noch folgen werden.


War es nun die richtige Entscheidung die Insolvenzantragspflicht auszusetzen?

Meiner Meinung nach nicht, da es eine Einmischung in den normalen Marktablauf war.

Prinzipiell begann die Einmischung bereits beim Bestimmen von Maßnahmen, die zahlreiche Unternehmen dazu zwangen zu schließen oder bestimmte Maßnahmen, die strafrechtlich verfolgt werden, durchzuführen.

Dadurch wurde der natürliche Ablauf gestört. Denn grundsätzlich ist es von Vorteil, dass schlecht wirtschaftende Unternehmen, die ein schlechtes Angebot oder eine geringe Nachfrage beinhalten, aus dem Markt ausgesondert werden.

Durch die Einmischung wurden zahlreiche zusätzliche Unternehmen gefährdet, da die zahlungsunfähigen Unternehmen mit den gesunden Unternehmen Geschäfte und Verträge abgeschlossen haben und untereinander gehandelt haben.

Dadurch konnten Forderungen entstehen, die nicht eingehalten werden und dem Geschäftspartner schaden und potenziell auch in den Untergang ziehen.



Wir werden nun abwarten, wie viele weitere Insolvenzen folgen werden und welche Unternehmen betroffen sein werden.


Der Beitrag "Insolvenzboom in Deutschland" - Wirtschaft