Die Chinesische Energiekrise

Die Energiepreise scheinen bei uns immer schneller zu steigen. Aber ist dieses Phänomen nur europaweit verbreitet oder handelt es sich um ein weltweites Problem?



Kürzlich kam es in der Volksrepublik China immer wieder zu Engpässen bei der Versorgung mit Elektrizität. Hierzu gibt es mehrere Gründe:

Dazu zählen die verschärften Klimaziele, die Peking inzwischen verfolgt, und die lieferbedingt geschrumpften Bestände an Kohle, mit der landesweit noch viele Kraftwerke befeuert werden, aber auch der momentan extrem hohe Energiebedarf der Industrie, die aufgrund von Lockdown-Nachholeffekten Aufträge aus aller Welt abarbeiten muss.

Der Stromversorgungsschock der größten herstellenden Industrie der Welt wird sich auf die globalen Märkte ausbreiten und sich auf sie auswirken.

Chinesische Zulieferer von Weltkonzernen wie Apple und Tesla waren von den Stromengpässen ebenfalls betroffen, da sie dadurch Produktionseinschränkungen haben.

Die Wachstumsprognosen für China werden bereits runtergesetzt.


Staatschef Xi Jinping hatte im Vorjahr auf einem UNO-Klimagipfel verkündet, dass China seine CO2-Emissionen pro Einheit des Bruttoinlandsprodukts bis 2030 um mehr als 65 Prozent gegenüber dem Niveau von 2005 senken werde. Vor diesem Hintergrund hat Peking das Ziel ausgegeben, den Verbrauch von Strom, den vor allem Kohlekraftwerke erzeugen, heuer um drei Prozent zu reduzieren.

Allerdings haben im ersten Halbjahr lediglich 10 von 30 Provinzen des Landes ihre Einsparvorgaben umsetzen können. Deshalb gab es zuletzt vielerorts Handlungsbedarf, der sich in rationierten Strommengen äußerte. Dadurch ist nicht nur Wirtschaftsbetrieben der Strom abgedreht worden, sondern auch Privathaushalten.


Man muss sich vorstellen, wie plötzlich ganzen Wohnungsblöcken das Licht ausgeht, weil jemand entschieden hat, dass ab sofort Strom gespart werden soll.

Ende September musste in mehreren nördlichen Provinzen Chinas die Straßenbeleuchtung wegen Stromausfällen abgeschaltet werden. Die Folge waren kilometerlange Staus.

In manchen Städten stellten Hausverwaltungen in Hochhäusern die Fahrstühle ab, so dass Bewohner die Treppe nehmen mussten. Teilweise wurde die Bevölkerung aufgefordert, Klimaanlagen abzuschalten und natürliches Licht statt Glühbirnen zu nutzen. In sozialen Medien gab es Berichte über ausgefallene Ampeln und Handynetze sowie Fotos von Geschäften, die Kerzen aufgestellt hatten.

Chinesische Medien berichten, dass rund 20 Provinzen seit Mitte September Maßnahmen zur Stromrationierung ergriffen haben.



Viele Unternehmen, die auf einem gefüllten Auftragspolster sitzen, können infolge der verschärften Verbrauchsbeschränkungen nicht so agieren, wie sie gerne wollten. Das wiederum sorgt für Engpässe in den Lieferketten und verschärft die Probleme nicht nur in China selbst, sondern weltweit.

Die Fabrikschließungen kommen zu einem Zeitpunkt, zu dem die globalen Lieferketten ohnehin mit Problemen zu kämpfen haben. Inzwischen gibt es bereits offiziell Warnungen vor möglichen Engpässen bei Smartphones, Textilien, elektronischen Bauteilen und anderen Waren auf dem Weltmarkt.

Betroffen ist auch die Produktion von Agrarchemikalien und Dünger. Dort ist China ein weltweit wichtiger Exporteur.


Angesichts der weltweiten Maßnahmen- und Lockdown bedingten Energiekrise hat China seine inländischen Importeure von verflüssigtem Erdgas (LNG) aufgefordert, sich vor dem Winter mit ausreichend Brennstoff zu versorgen.


Die großen staatlichen Unternehmen Chinas seien bereit, hohe Kassapreise zu zahlen, um Lieferungen von Konkurrenten in Asien und Europa abzuwerben, obwohl sie hierdurch extreme Verluste erleiden könnten. Zum Vergleich: Eine verflüssigte Erdgas-Kassaladung, die im vergangenen Jahr etwa 17 Millionen US-Dollar kostete, kostet derzeit mehr als 130 Millionen US-Dollar.

Die nordasiatischen Erdgas-Kassapreise stiegen in dieser Woche auf ein Rekordhoch, da die Importeure angesichts niedriger Lagerbestände und Kohleknappheit den Wettbewerb um den Brennstoff verschärften.

Der Anstieg der Erdgas-Kassapreise der Region wurde auch durch eine beispiellose Rallye der europäischen Gaspreise angetrieben.


Offiziell macht die chinesische Regierung Druck auf die Gasimporteure, damit sie sich um genügend Gasvorräte für die anstehenden Monate kümmern.

Gleichzeitig bekommen Gasimporteure weniger Kredite, da Banken und Finanzinstitute vorrangig Kredite an qualifizierte Bergwerke und Kraftwerke vergeben sollten, damit diese die Produktion von Kohle und Strom steigern können.

Somit haben mindestens zwei Unternehmen aus dem Sekundärmarkt, darunter die Shenzhen Energy Group, beschlossen, trotz staatlicher Anordnung keine Lieferungen zu kaufen.



Die chinesische Regierung berichtet, dass sie Lieferungen von den restlichen Ländern in Asien und Europa durch höhere Preise abwerben möchten.

Die Konsequenz davon wäre, dass die Preise immer weiter und weiter ansteigen.

Es zeigt uns auch, wie verknüpft die weltweiten Wirtschaftszusammenhänge miteinander sind. Geht es China schlecht, werden wir es spüren.