China in einer Immobilienkrise?

Chinas zweitgrößter Immobilienentwickler Evergrande steckt in erheblichen Schwierigkeiten.

Im nächsten Jahr müssen sie bisher 37 Milliarden US Dollar Schulden zurückzahlen. Sollte Evergrande unter dem Schuldenberg zusammenbrechen, könnte das Schockwellen durch das chinesische Bankensystem jagen.



Auch die Ratingagentur Fitch stufte die Bonitätsbewertung für den Konzern und zwei seiner Töchter wegen der Gefahr von bevorstehenden Zahlungsausfällen herunter.

Sie begründeten es mit der folgenden Aussage:

"Wir glauben, dass das Kreditrisiko angesichts knapper Liquidität, rückläufiger Vertragsverkäufe, des Drucks verspäteter Zahlungen an Lieferanten und Auftragnehmer und begrenzter Fortschritte bei der Veräußerung von Vermögenswerten hoch ist."

Die langfristige Bonitätsnote lautet nun "CC" - eine wirklich schlechte Bewertung.

Wie wir uns bereits in einem anderen Beitrag die Vorgehensweise der Ratingagenturen betrachtet haben, stellt sich hier die Frage - weshalb stufen sie ihr Rating runter? Ist genau das Platzen der Schuldenblase von Evergrande gewollt?


Aber weshalb geraten immer mehr chinesische Immobilienunternehmen in Schwierigkeiten?

Es ist wie fast immer kein Zufall oder wie unsere derzeitige Bundeskanzlerin sagen würde "schlechtes Wirtschaften" der Unternehmen.

Die chinesische Aufsicht erließ Hunderte neue Regeln und beschränkte die Kreditaufnahme sowie Grundstückskäufe, um für Abkühlung auf dem boomenden Häusermarkt zu sorgen. Doch nicht nur die Preise gerieten unter Druck, sondern auch Immobilienunternehmen. Kreditausfälle und Firmenpleiten folgten. Experten warnen inzwischen vor Auswirkungen auf die Finanzbranche und die gesamte Wirtschaft des Landes.


Bei der Ping An Bank in Shenzen platzten im ersten Halbjahr 2021 drei Mal so viele Kredite im Immobiliensektor wie vor Jahresfrist. Die Bank of Jinzhou verzeichnete einen Anstieg von mehr als 50 Prozent, die Bank of Shanghai von über 25 Prozent. In diesem Jahr haben Insolvenzgerichten zufolge 220 Immobilienfirmen Konkurs angemeldet.



Der Immobilienmarkt macht rund ein Viertel der chinesischen Wirtschaft aus. Ein großzügiger Kreditfluss befeuerte jahrelang den Boom der Branche.

Hierbei stand der Branchenriese aus Guangdong Evergrande weit oben an der Spitze.

Der Spieß soll nun jedoch wieder umgedreht werden. Unter dem Druck von Gewinnrückgängen hat das Unternehmen und zahlreiche andere Immobilienunternehmen massiv mit der Refinanzierung von Krediten zu kämpfen. Durch die neuen Vorgaben darf das Unternehmen keine neuen Kredite mehr aufnehmen.


Nun spielen die Aktienmärkte und die Anleihenmärkte der betroffenen Unternehmen verrückt. Laut Schätzungen soll der Immobilienkonzern auf einem Schuldenberg in Höhe von umgerechnet mehr als 300 Milliarden Dollar sitzen.


Man muss nur beachten, dass die Schulden bisher sowohl von der chinesischen Regierung als auch den Ratingagenturen unterstützt wurden.

Jedoch kann sich das Blatt für die Öffentlichkeit ganz plötzlich wenden.

Es benötigt nur der Einmischung des Staates und hierbei ist China nicht sehr zögerlich.


In kürzester Zeit wurde sehr viel reguliert und gesteuert.

In Bezug auf die Technologie gibt es jetzt scharfe Grenzen für Börsengänge in den USA und neue Preis- und Datenvorschriften.

Der Bereich Privatunterricht wurde gemeinnützig gemacht,

die Kreditvergabe an Bauträger wurde stark reduziert - das geschah im Zusammenhang mit der offiziellen Botschaft „Häuser sind zum Wohnen, nicht zum Spekulieren“ da,

eine Mieterhöhungsobergrenzen von 5 % pro Jahr wurde eingeführt,

unter 18-Jährige sind auf nur 3 Stunden Computerspiel pro Woche in den zugewiesenen Slots beschränkt,

Private Equity (außerbörsliches Eigenkapital) wurde von Wohninvestitionen abgeschnitten,

Peking hat auch dazu aufgerufen, „überhöhtes“ Einkommen einzudämmen und die wohlhabenden und profitablen Unternehmen sollen „der Gesellschaft mehr zurückzugeben“ - in diesem Zug hat Tencent bereits 15Mrd. US-Dollar zugesichert,

zusätzlich gab es eine soziale Kampagne gegen übermäßiges Geschäftstrinken und „unpatriotische“ Karaoke-Songs und eine fehlleitende Promi-Kultur.



Sie begründen es: „ Dies ist eine Rückkehr von der Kapitalgruppe zu den Massen des Volkes, und dies ist eine Transformation von kapitalzentriert zu menschenzentriert“.


Möglicherweise klingt es für den einen oder anderen sehr sozial und gerecht. Genau das steckt auch in dem Begriff "Sozialismus".

Das Problem ist nur, dass diese Form (wie man auch am Beispiel Chinas unschwer erkennen kann) immer in einem Kontroll- und Überwachungsstaat mit einer rundum kontrollierten Gesellschaft und Wirtschaft mündet.

Es beginnt mit ein paar einfachen Regularien bei Unternehmen, die scheinbar von Vorteil für die Menschen sind. Anschließend geht es immer weiter bis man sich in einem Sozialkreditsystem befindet, seine Meinung nicht mehr frei und ohne Konsequenzen äußern darf und dabei rundum von Kameras und Kontrollstellen überwacht wird.


Und genau dieses strenge Modell gilt in unserer jetzigen Krise als Vorbild für andere Regierungen?

Und sogar zahlreiche Menschen, die für ihre Freiheiten dankbar sein sollten, sprechen sich für mehr Staatlichkeit, Kontrolle und Einsperrung aus.


Zurück zum Hauptthema Chinas - dem drohenden Platzen der Schuldenblase der Immobilienunternehmen.

Laut Einschätzungen verfügt das Unternehmen nicht über genügend Geld, um seine Schuldenrückzahlungen in den nächsten anderthalb Jahren zu decken, was bedeutet, dass es auf „neue Finanzierungen oder Verkäufe von Vermögenswerten“ angewiesen sein müsste.



Ein Blick auf die Rendite chinesischer Junk-Bonds – die auf ein Niveau gestiegen sind, das seit der so genannten Pandemie im März 2020 die gesamte chinesische Wirtschaft zum Erliegen gebracht hat, zeigt wie ernst Chinas Immobilienkrise ist und noch werden könnte.


Der Beitrag "China in einer Immobilienkrise?"