China geht einen Schritt weiter

China will rigoros gegen vermeintliche antisoziale Tendenzen in ihrem Land vorgehen.

Eine Branche nach der anderen wird derzeit unter die Lupe genommen - kürzlich den Bereich des Privatunterrichts und nun die nächste Branche "Videospiele".



Sie wollen prinzipiell kapitalistische Entwicklungen eindämmen und sozialistische Entwicklungen erweitern.


Zum Bereich der Videospiele wurde ein sehr kritischer Artikel von der „Economic Information Daily“ veröffentlicht.

Die chinesische staatliche Zeitung, die zu Chinas offizieller Nachrichtenagentur Xinhua gehört, legt dabei scharfe Worte an der Videospielindustrie und deren Auswirkungen auf Minderjährige.

Sie machen deutlich, dass Jugendliche bis zu 8 Stunden am Tag damit verbringen, das beliebteste Spiel des Landes zu spielen: "Honor of Kings".


Der Artikel beschimpfte Videospiele als "spirituelles Opium".

Sie schreiben:

"'Spirituelles Opium' hat sich zu einer Industrie mit einem Wert von Hunderten von Milliarden entwickelt" und

"....Keine Industrie, kein Sport darf davon profitieren, dass eine Generation zerstört wird."


Gerade Opium hat in China eine sensible Bedeutung.

China hatte am Ende des Ersten Opiumkrieges 1842 die Insel Hongkong "auf ewig" an Großbritannien abgetreten, als es um den Export der Droge nach China gekämpft hatte, wo die Sucht weit verbreitet war.



Es gibt einige große Videospielunternehmen in China wie beispielsweise Tencent.

Das chinesische Unternehmen ist in zahlreichen Branchen aktiv wie Sofortnachrichtendienste, soziale Netzwerke, Onlinemedien, Onlinewerbung, aber auch Onlinespiele und einiges mehr.


Der Artikel löste einen Einbruch der Tencent-Aktie aus.

Zeitweise brach der Kurs um fast 11 Prozent ein - der Börsenwert sank dadurch um bis zu 60 Milliarden Dollar. Später ging das Minus auf etwa 7 Prozent zurück. Tencent kündigte daraufhin etliche Maßnahmen zum Jugendschutz und zur Suchtprävention an.


Der Kurs von Tencent ist bereits seit Februar 2021 am sinken - ein Wert im Februar von fast 82€ ging bis heute runter auf unter 50€ - eine Differenz von über 34%.

Es war nicht das erste Mal, dass durch neue Regulierungen gerade dieses Unternehmen getroffen wurde.

Noch mehr als Alibaba ist Tencent das größte Marktopfer des chinesischen Vorgehens gegen alles, von Mitfahrgelegenheiten über Zahlungen, Musikrechte bis hin zu Privatunterricht – und jetzt Videospiele.


Auch Aktien chinesischer Unternehmen wie NetEase, Spieleentwickler XD und Mobile-Gaming-Unternehmen GMGE Technology Group verzeichneten starke Rückgänge. Der Ausverkauf erstreckte sich sogar auf die USA, wo die Aktien von Activision Blizzard und Electronic Arts, Zynga und Take Two Interactive im vorbörslichen Handel zwischen 1% und 4% fielen.



Als Reaktion auf den Artikel kündigte Tencent strenge neue Beschränkungen für Minderjährige an, die seine Videospielplattformen nutzen. Das Unternehmen sagte, es würde den Zugang von Minderjährigen zu seinem Flaggschiff-Videospiel weiter einschränken und ihnen nur eine Stunde Spielzeit pro Tag ermöglichen (mit 2 Stunden an Feiertagen).

Zusätzlich sollen weitere Maßnahmen eingeführt werden, um auch die Ausgaben innerhalb der Spiele für Minderjährige zu reduzieren.

Es forderte auch ein branchenweites Spielverbot für Kinder unter 12 Jahren.


Der von Economic Information Daily veröffentlichte Artikel wurde anschließend offline genommen.


Wir sehen wieder, wie die eigenen Unternehmen ermahnt werden, um nicht zu viel Einfluss zu gewinnen. Kapitalistische Strukturen werden als "Profitmacherei" abgestempelt und dagegen vorgegangen.

Wer bisher gegen den Kapitalismus war, sollte sich die Kehrseite ansehen - denn meistens gibt es bei Politikern keine weitere Lösung - entweder freie Märkte oder geplante Märkte.


Auch Deutschland befindet sich gerade in dem Feld der geplanten Märkte.

Man muss immer Acht geben, wohin die Tendenzen führen.



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