Brot und Spiele - die Fußball-Europameisterschaft

Man wird es nicht glauben können, was alles hinter dem Schein einer Fußball Europa-Meisterschaft beschlossen werden kann.



Der römische Dichter Juvenal nannte diese Begebenheit "Brot und Spiele".

Er meinte, dass das römische Volk sich von allen politischen Dingen durch eben Brot (Getreide) und Spiele (Wagenrennen und Gladiatorenkämpfe) ablenken ließ, was ihnen kostenlos zur Verfügung gestellt wird.

Gefälligkeiten und Inszenierungen von Großereignissen befriedigten die (wie er es nannte) "niederen Gelüste" des Volkes und sicherte die politische Gunst des Volkes.

Während das Volk somit abgelenkt wurde, konnten Politiker umstrittene Gesetze umsetzen ohne Debatten und Gegenstimmen zu riskieren.


Aber kommt uns die Täuschung von Brot und Spiele nicht sehr bekannt und gegenwärtig vor?


In Deutschland wurde diese Richtung perfektioniert. Zahlreiche Beispiele finden sich in der Vergangenheit genauso wieder.


Steuererhöhung 2006

Bereits 2006 - als die Fußball-Weltmeisterschaft das zweite Mal in Deutschland stattfand, wurde die Euphorie der Menschen missbraucht, um heimlich die Mehrwertsteuer zu erhöhen.


Mitten in der Gruppenphase gab der Bundesrat grünes Licht für die Anpassung von 16 auf 19 Prozent. Es war die im Gesamtvolumen größte deutsche Steuererhöhung aller Zeiten.



Erhöhung der Krankenkassenbeiträge 2010

Bei der Fußball-Weltmeisterschaft von 2010 in Südafrika schraubte man die Krankenkassen-Beiträge von 14,9 auf 15,5 Prozent des Gehalts hoch – was mehrere Hunderte Euros im Jahr mehr für Arbeitnehmer bedeutete.

Nur wenige Monate zuvor ortete eine Untersuchung in 100 wichtigen Berufssparten einen Rückgang der Reallöhne seit 1990. In jeder zweiten Branche ging die Kaufkraft zurück, teils um die Hälfte. Daher würde eine Erhöhung von Beiträgen für Empörung sorgen - aber wenn es niemand mitbekommt, dann ist es für einen Aufschrei bereits zu spät.


In Schweden beschloss der Reichstag währenddessen den Ausstieg aus dem Atomausstieg.




Datenhandel erlaubt 2012

Im Jahr 2012 trieb man es auf die Spitze:

Während des Spiels im EM-Halbfinale Deutschland gegen Italien beschloss der Bundestag ein neues Meldegesetz. Es regelte, dass Ämter persönliche Daten von Bürgern an Firmen weitergeben dürfen. Von 620 Abgeordneten waren 26 anwesend, eine Debatte fand nicht statt. Ein schwerer Einschnitt in die Bürgerrechte – schnell abgenickt während die Menschen abgelenkt sind. Am Folgetag stimmte man dem Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) zu, nach dem Deutschland beim „Euro-Rettungsschirm“ bei Staatskrediten in dreistelliger Milliardenhöhe haftet.


In Österreich einigte man sich im Deckmantel des Fußballwahns auf eine Aufstockung der Parteienförderung in dieser kurzlebigen Zeit.



Kürzung der Lebensversicherung 2014

Im Jahr 2014 wurde Deutschland Fußball Weltmeister und die Menschen waren anschließend freudig und euphorisch.

Währenddessen verteuerte die Regierung den als Teil der „Energiewende“ forcierten Solarstrom und reduzierte Ausschüttungen bei Lebensversicherungen radikal. Wenige Tage vor dem Finale wagte Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) den Tabubruch und stellte Pläne für eine Pkw-Maut vor.


In Österreich einigte man sich auf die Aufstockung der Politiker-Spesenkonten.



Erhöhung der Parteienförderung 2018

Bei der Titelverteidigung 2018 schied die deutsche Fußballmannschaft in der Gruppenphase aus – für die Erhöhung der Parteienförderung um satte 25 Mio. auf 190 Mio. Euro blieb trotzdem Zeit.



Auch andere Großereignisse

Es muss aber nicht immer der Lieblingssport der Deutschen Fußball sein, der ablenkt.

Eine weitere Diätenerhöhung im Deutschen Bundestag folgte im Februar 2014 – während der Winter-Olympiade in Russland. Die Medien berichteten stattdessen von „homophoben Prügelattacken“ im Gastgeberland und angeblichem Schmiergeld bei der Vergabe.



Grundrechtsentzug 2021

Aber was geschah während der diesjährigen Fußball-Europameisterschaft?

Bisher wurde kein Ereignis ausgelassen, um durchzuwinken, was während der normalen Zeit für Aufsehen sorgen könnte.

Und auch dieses Jahr waren sie nicht untätig:

Mit 412 zu 212 Stimmen wurde – bei zwei Enthaltungen – in der Nacht um 23:16 Uhr beschlossen, dass einige Grundrechte auch „nach der Aufhebung der Feststellung der epidemischen Lage von nationaler Tragweite“ bis zu einem Jahr lang eingeschränkt bleiben dürfen. Die mediale Debatte im Vorfeld - aber auch im Nachhinein blieb aus.

Zu beschäftigt waren alle mit dem entscheidenden Gruppenspiel gegen Ungarn und dem aufgebauschten Regenbogenfahnen-„Protest“ gegen das ungarische Werbeverbot für Trans- und Homosexualität vor Kindern.


Auch die österreichischen Politiker waren aktiv und haben die Ablenkung genutzt:

In Wien beschloss man am selben Tag, als die bundesweite 7-Tages-Inzidenz erstmals seit 10. August 2020 in den einstelligen Bereich fiel, eine Impfpflicht fürs Kindergarten-Personal.


Wer weiterhin denkt, dass das Prinzip von "Brot und Spiele" mit dem römischen Reich geendet sei, der sollte sich diese Form der Ablenkung nochmal genauer zu Gemüte führen.

Es ist kaum zu übersehen, wie sich das Verhalten und v.a. der Fokus der Menschen ändert, wenn die Ablenkungsmechanismen beginnen.

Umso wichtiger einen klaren Kopf zu bewahren und die wichtigen Ereignisse währenddessen beobachten.



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